Monat Februar 2022
Gedanken Archiv

Monat Dezember 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Die Adventszeit ist die Zeit der schönen Geschichten und der schönen Musik! Wenn wir an einem trüben Nachmittag eine spannende, heitere Geschichte bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein lesen, wird es uns sicher warm ums Herz.
In dieser Zeit bin ich immer auf der Suche nach besonders wunderbaren, beglückenden Büchern und Geschichten. Bei dieser Gelegenheit fiel mir das Buch von Felicity Pickford «Weihnachtswunder im kleinen Grandhotel» in die Hände.
Die Geschichte findet auf der verschlafenen Isle of Skye statt. Das kleines Grand- Hotel ist lieblich und geheimnisvoll, die Einrichtung traditionell und in der Vorweihnachtszeit schön festlich dekoriert. Beim Lesen kam ich sofort in eine romantische Stimmung, weil ich schon zu Beginn sicher war, dass diese Geschichte gut und fröhlich enden wird. Und das ist für mich das Wichtigste.
Das Hotel wird nach alten Gewohnheiten geführt, da holt ein Chauffeur die handverlesenen und gehobeneren Gäste am Bahnhof mit einem alten Vauxhall light six ab und fährt sie sicher über die kurvige Strasse in ihr ihnen schon bekanntes Weihnachtsdomizil. Die meisten von ihnen kommen seit Jahren in dieses Hotel, eben um Weihnachten zu feiern.
Natürlich passieren jetzt allerhand Verwechslungen und spannenden Momente mitten im verzaubernden Hotel. Ich konnte während des Lesens in diese gemächliche und samtige Atmosphäre abtauchen, alles rundherum vergessen und mich so für die kommende, doch oft hektische Zeit stärken. Mit weihnachtlichen Gefühlen legte ich das Buch weg und machte beschwingt meine anstehenden Alltagsarbeiten. Im Hintergrund erinnert mich die leise Weihnachtsmusik an das kleine, schmucke Grand Hotel auf der eindrücklich beschriebenen Isle of Skye und deren BewohnerInnen.
Felicity Pickford hat noch ein zweites Buch geschrieben, dieses werde ich auch lesen um mir wieder einen solchen Nachmittag zu bescheren, sozusagen als Weihnachtsgeschenk an mich. Vielleicht wäre das auch etwas für Sie, liebe Leserin und lieber Leser?
Ich wünsche Ihnen liebevolle, stimmige und geruhsame Weihnachten und grüsse sie freundlich
Monat November 2022


Liebe Leserinnen und Leser
Haben Sie auch langjährige Herzenswünsche? Etwas was sie unbedingt sehen oder machen wollen?
So einen Herzenswunsch habe ich mir in den Herbstferien erfüllt: Ich reiste mit einer Studiengruppe nach Ägypten.
Ägypten ist die Wiege unserer Kultur und Religion, und all diese Schätze und Bauten wollte ich in natura sehen. Ich wurde nicht enttäuscht: ich bin überwältigt vom grossen Können dieses alten Volkes. Vor den Pyramiden zu stehen, mit dem Sand in den Schuhen die Hitze spüren, ist etwas ganz anderes als die Pyramiden, mitten in der Wüste, auf Bildern zu sehen.
In Kairo konnten wir zwei der monotheistischen Religionen besuchen. Sowohl die kunstvollen Bilder und Intarsien in der koptische Kirche als auch die Ornamente der Moschee nehmen einem, mit dem Duft des Weihrauches, in Bann.
Immer wieder begegnet uns der Nil, die Lebensquelle des Landes. Ohne ihn gäbe es Ägypten nicht. Das haben schon die alten Ägypter gewusst, das Wasser spielt in den Religionen und im Alltag eine wichtige Rolle.

Am Eingang jeder Kirche ist im Boden ein Bad eingelassen. Dort mussten die Priester zuerst baden bevor sie predigen durften. Das war so bei den alten Ägyptern, bei den Juden und Moslems. Bei einem der Tempel hat es sogar einen kleinen Stausee, in dem die Priester baden konnten. Heute müssen die Priester und Imame kein Vollbad mehr nehmen, das Hände- und Gesichtswaschen reicht.
Der grosse Graben der damaligen Kultur mit der reichen Kunst und des heutigen Lebens in Ägypten ist überall spürbar. Natürlich bringt die Kultur, die prachtvollen Malereien in den Gräbern, all die Bauten, dank dem Tourismus Geld ins Land. All die Entfeuchter in den Gräbern und der Schutz der Malereien kostet dem Staat viel Geld. Gleichzeitig werden so auch Arbeitsstellen generiert, die Leute aber sind, auch durch Misswirtschaften, arm. Sie kämpfen um ihre Existenz, die Coronakrise und der Krieg akzentuiert diese Situation massiv. Immer noch werden Kinder, um zu betteln, auf die Strasse geschickt. Sie müssten in die Schule, die Grundstufe ist für alle zugänglich.
So wurden wir auch von unserem Guide angehalten den Kindern kein Geld zu geben, sonst würde dieses System immer weiter unterhalten.

Der Abschluss der Reise war eine Busreise 260 km durch die Wüste, schnurgrade bis zum einzigartigen Ort der beiden Tempel Abu Simbel. Sie wurden zu Ehren des Pharaos Ramses II und Nefretari, seiner Lieblingsfrau, in den Felsen geschlagen.
Ganz eindrücklich ist, dass diese Riesenwerke, des Staudammes von Assuan wegen, versetzt werden mussten. Zehn Nationen beteiligten sich an dieser sechs Jahre dauernden Herkulesarbeit.
Ich werde noch lange an diese abenteuerliche Reise denken, was mich sehr glücklich macht.
Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sich einen Herzenswunsch erfüllen können.
Monat Oktober 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Seit dem Sommer unterrichte ich in der zweiten Klasse einen Jungen, den Jakob.
Jakob ist ein für sein Alter grossgewachsener Knabe, laut und unbeherrscht.
Sein Benehmen und seine Aktionen gegen andere Kinder machen dem ganzen Team grosse Sorgen. «So kann es nicht weitergehen», meldete ich der Klassenlehrerin, «die andern Kinder leiden unter ihm, ich kann meine Lektionen nicht so gestalten wie ich es will.»
Weil Jakob auch in andern Lektionen sehr auffällig ist, werden verschiedene Massnahmen von der Schulleitung angeordnet, es gibt Gespräche mit Eltern und anderen Lehrpersonen.
Was habe ich für Möglichkeiten? Wo ist Jakob zu begeistern? Geschichten! Er liebt es wenn ich Geschichten erzähle. Dann gibt es ruhige Momente und eine schöne Stimmung. So machte ich mich auf die Suche nach geeigneten Erzählungen die möglichst nahe am Leben der Kindern sind. Wie so oft hat mir dann der sogenannte Zufall geholfen; in einem schon betagten Buch fand ich eine Geschichte:
Ein Junge, frech und unanständig wird dank einer blinden, im Rollstuhl sitzenden Frau, ein angenehmer Knabe, sie hilft ihm bei seinen Aufgaben, er fährt sie mit ihrem Rollstuhl zu ihren blühenden Rosen, er spürt das erste Mal in seinem Leben, dass er geliebt wird so wie er ist.
Ich erzählte diese Geschichte, machte sie noch etwas moderner und siehe da, Jakob konnte zuhören und aufmerksam sein. Gut, denke ich, für einmal ist die Lektion geglückt. Alle waren zufrieden und Jakob hat gestrahlt als er gesagt hat:
«Gälled sie isch villich glich wie bi mir, ich han ja au immer Schtrit mit dä Lehreri und d Chinde.»
«So,» dachte ich, «das ist doch ein Hoffnungsschimmer, ich warte mal die nächste Woche ab.»
Auch die nächste Woche war Jakob wie verwandelt, alle Massnahmen rund herum haben geholfen. Jakob macht und machte schon immer gute Beiträge, sein Verhalten hat sich gekehrt, er merkt nun, dass er von allen angenommen wird, auch wenn er hin und wieder eine unnötig-unanständige Bemerkung macht.
Ich werde immer wieder nach Geschichten suchen, sie sind beliebt bei Jung und Alt. Vor allem Kindern können sie eine Hilfe sein um aus ihren Nöten herauszukommen.
Ich wünsche Ihnen schöne Herbstwochen und grüsse Sie freundlich
Monat September 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Kennen Sie Florenz, die Uffizien, den David und all die Schönheiten der Künste? Florenz ist ein Paradies für Kunstliebende.
Beim Suchen von Bildern und Texten für die 6.Klasse bin ich in eine Reportage über Michelangelo, dessen Wirkungsstätte auch Florenz war, geraten. Es wird sein ganzes Leben beleuchtet, sein Bestreben den menschlichen Körper anatomisch genau in Stein hauen zu können. Für das hat er heimlich tagelang in Leichenhallen Menschen seziert.
Michelangelo liess den Marmor den er für seine Statuen brauchte, aus Carrara kommen, wo heute noch Marmor abgebaut wird.
Heute wird das mit grossen Maschinen und anderen Geräten gemacht. Der Chef des Marmorbruches erklärte wie schwierig es sei, grosse Blöcke ohne irgendwelche Risse zu finden und dann abzubauen. Er erläuterte weiter staunend wie das zu und hergegangen sein muss, als der Block für Michelangelos David abgebaut wurde. Keine Bagger, keine Diamantseile, alles mit Hammer und mit der Kraft der Männer. Zum Meer wurde dann der sieben Meter hohe, tonnenschwere Block mit Schlitten und Ochsenkarren die schmale Strasse hinuntergeschleift immer mit dem Gedanken ja keine Schäden oder Rissen entstehen zu lassen.
Michelangelo wurde gefragt, wie er so wunderbare Gestalten und Figuren aus diesen riesigen Marmorblöcken schlagen und formen könne. Er soll gesagt haben (und das mag wohl eine Legende sein), das sei nicht so eine Kunst, im Stein selber sei die Figur ja schon vorhanden, er sei einfach derjenige der die Geduld und Kraft habe diese aus dem Stein zu befreien. All seine Werke wurden weltberühmt und werden auch die nächsten Jahrhunderte überdauern. So wurde David mit der Steinschleuder in Florenz der Inbegriff des perfekten Menschen und die Kuppel des Petersdoms gilt heute noch als weltweit die grösste, freischwebende Kuppel. Die wurde nach Michelangelos Berechnungen gebaut, er selber erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Er starb 1564, der Petersdom wurde erst, nach über 100-jähriger Bauzeit, 1626 eingeweiht. Der Dom gilt als eine der grössten Kirchen weltweit und ist eines der Zentren des Christentums.
Ich werde mit den Schülerinnen und Schülern die Pietà betrachten und erläutern. Nach meinen Erfahrungen gefällt sie auch jungen Menschen, die Kunst Michelangelos ist zeitlos und berührt alle Generationen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen, kunstverbundenen September und grüsse Sie freundlich
Liebe Leserinnen und Leser
Haben Sie die eindrücklichen Bilder des James-Webb-Teleskops gesehen: dieses Licht, diese Sterne und Galaxien die 13 Milliarden Jahre alt sind? Laut den Forschenden werden diese Bilder unser Weltbild nochmals total verändern.
Das grandiose James-Webb-Projekt hat vor 25 Jahren begonnen. Jetzt wird das Webb-Teleskop, von der Erde 1,5 Million km entfernt, ständig Bilder aus dem Universum auf die Erde senden. Das erste Bild wurde feierlich von Joe Biden veröffentlicht und gilt als der Beginn einer neuen Weltansicht. Einer der führenden Astrophysiker sagte den bemerkenswerten Satz: «Wir werden Antworten finden auf Fragen die wir noch nicht mal kannten!» Wir bewegen uns in völlig neue unbekannte Gefilde: wie spannend ist denn das!
Astrologisch gesehen sind wir in ähnlichen Zeiten wie in der Renaissance. Damals entdeckten die Menschen, dass die Erde rund ist und nicht eine Scheibe. Die Menschen lernten in drei Dimensionen denken und sehen, die Perspektive in der Malerei wurde begriffen und gemalt. Wir reden von einem der grossen Menschheitsschocks: die Erde ist kein stabiles Gefüge, sondern eine Kugel die sich bewegt.
Wenn das so ist, können wir uns noch auf viele wegweisende Entdeckungen freuen, unser Hirn wird sich verändern und wir werden auch in unserem persönlichen Leben neue Fassetten erkennen können.
Wir leben in einer Zeit, in der so viel Neues entsteht und auch erforscht wird, gleichzeitig leidet die Menschheit an einem fürchterlichen Krieg. Nur wenige Menschen haben gewarnt, dass es solche Gräuelgeschichten nochmals geben würde. Millionen Menschen leiden und sterben an den Folgen dieses Horrors, Städte und Landschaften werden zerstört: die Welt steht in Flammen und hat nicht nur des Krieges wegen viele Krisen zu bewältigen. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir lieber in die Ferne schweifen und uns am unbekannten, wunderbaren Universum erfreuen.
Vielleicht, und das wäre die Hoffnung und die Chance, werden auch die Mächtigen der Welt von diesen aussergewöhnlichen Bilder inspiriert und werden demütig und interessiert in den Abendhimmel schauen. Es könnte sie doch dazu bewegen, dass sie unsere kleine Erde schützen und pflegen, damit sie für die nächsten Generationen schön und heil bleiben wird.
Ich weiss, das sind Träume, aber in diesen unglaublich bewegten Zeiten ist vieles möglich. Wir alle können dazu beitragen, in kleinen Schritten unser Verhalten verändern und so der Erde und der Menschheit die Chance geben sich von diesen Strapazen zu erholen.
Ich wünsche ihnen einen kreativen und beflügelnden August
Monat Juli 2022
Liebe Leserinnen und Leser
«Wenn du glaubst, dass dein Leben ein Theater sei, dann wähle mindestens eine Rolle die dir Spass macht.» (Nach Shakespeare)
Dieser Satz ist mir in den Sinn gekommen als ich eines der Werke der 6. Klass-Kinder betrachtet habe. Die Klasse hatte die Aufgabe, für den Abschlussanlass in der Kirche, das Lebenspanorama ihrer Kindheit zu gestalten. Zusammen mit den Lehrpersonen, organisierten sie in der Kirche das sogenannte Übergangsritual. Die Kinder werden in die Oberstufe wechseln, aus ihnen werden Jugendliche oder Teens. Sie schätzten es sehr, dass sie die Feier mitgestalten und mitbestimmen durften.
Alina hat ihre Kindheit als eine grosse Bühne dargestellt, sie mitten drin, um sie herum, in unterschiedlichen Positionen ihre Eltern, ihr Bruder, Freunde und Kolleginnen, LehrerInnen und Trainerin. Alle hatten sie eine Rolle, gemalt in verschiedenen Farben. Ein wahres Kunstwerk. Der Publikumsraum war mit rot/schwarzen Sesseln gemalt: alle besetzt.
In der Kirche, es hatte ziemlich viele Leute, erzählte Alina ihre Kindheitsdarstellung:
«Mein Leben ist wie ein Theater, jeden Tag passiert mit Hilfe meiner Eltern etwas Überraschendes. Das macht mein Leben fröhlich und abwechslungsreich. Liebe Eltern, vielen Dank.»
Alina hat mir nachher erzählt, ihre Mutter hätte bei ihren Worten weinen müssen; ich nickte nur, ich sah im Publikum noch andere tränennasse Augen.
Auch die weiteren sehr unterschiedlichen Erzählungen der Jugendlichen waren schön und berührend. Beim anschliessenden Apéro gab es gute Gespräche und liebevolle Rückmeldungen an die Jugendlichen.
Wie wichtig und nötig wir Erwachsenen und Eltern für die Kinder sind hat sich wieder einmal mehr in all den Ausführungen gezeigt. Die Teens sind froh wenn wir Erwachsene hin und wieder sanft und unbemerkt in ihrem Leben die Regie übernehmen, um sie so auf ihren eigenen stimmigen Weg zu führen.
Ich wünsche Ihnen einen schön-dramatischen Sommermonat Juli.
Monat Juni 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Kennen sie die schönen Hortensien, die prachtvollen grossen Dolden in verschiedenen Farben? Sie werden in diesen Zeiten in den Blumenläden angepriesen und verkauft. In den Gärten kommen sie langsam zum Blühen und erfreuen uns mit ihrer Vielfalt.
Auch andere Pflanzen zeigen sich in ihrer vollen Blüte und meine Wanderungen werden immer farbiger und schöner.
Vor einiger Zeit hatte ich auf meinen Heimweg eine inspirierende Begegnung.
Drei Jugendliche, schwarze Hoodies, zwei die Kapuze übergezogen und einer mit der Basketballmütze verkehrt herum auf dem Kopf, stehen um einen Schneeballstrauch und betrachten ihn intensiv.
«Was macht ihr da» fragte ich neugierig, Halbwüchsige um eine Pflanze, das kann nur eine Schulaufgabe sein, dachte ich.
Da sagte der Jugendliche mit der Handykamera: «Sind das Hortensien?»
«Nein, das ist ein Strauch gemeiner Schneeball. Warum braucht ihr Hortensien?»
«Wissen sie, meine Mutter hat in einer Woche Geburtstag und sie liebt Hortensien, die aber», meinte er bedauernd, «sind sehr teuer. Ich dachte, dass ich da einen Zweig abschneiden und ihn dann in die Erde setzen könnte. Er würde dann Wurzeln schlagen, oder? Ich habe gelesen, dass es Pflanzen gibt bei denen das klappt».
«Ja», so sagte ich, «das geht bei ganz urwüchsigen Pflanzen, nicht beim Schneeball, und in einer Woche würde das sicher nicht funktionieren ausser vielleicht beim Bambus. Und wie schon gesagt, dieser Strauch ist keine Hortensie.»
So belehrte ich die drei, und verabschiedete mich lächelnd. Beim Weggehen drehte ich mich nochmals um, was sind das für interessante, tolle junge Menschen, sie wissen was ihre Mütter lieben und haben Ideen wie sie deren Wünsche umsetzen könnten.
Und wieder einmal ist es mir eine Lehre: Junge Menschen mit schwarze Kapuzen über dem Kopf und umgekehrte Basketballmützen zu sehen heisst nicht, ich will nichts von der Welt wissen! Sie wollen einfach anders sein als wir Erwachsenen, und das ist gut so.
Ich wünsche Ihnen einen farbenfrohen, spannenden Juni und grüsse Sie freundlich.
Monat Mai 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Sicher haben sie zu Hause einen Computer, TV, Handy, alles was heute so üblich ist. Ich brauche diese Geräte jeden Tag und finde das toll, hilfreich und auch nötig. Allerdings, wenn dann etwas nicht mehr funktioniert, dann hört der Spass auf.
So ist es mir vor ein paar Tagen passiert. Die Fernbedienung des TV blinkte rot statt weiss. Ich wechselte die Batterien, immer noch rot. Da kommt mir der Google zu Hilfe. Ich las, und machte alles so wie es empfohlen wird. Erfolglos. Die TV-Bedienung leuchtete immer noch rot.
So gab es nur noch eine Möglichkeit: die Hotline der Swisscom. Nach dem dritten Anlauf mit Wartezeiten von über sechs Minuten wurde ich von einer netten, jungen Frau bedient.
Also los geht es: «Haben sie die Batterien gewechselt? Das Reset gemacht, 1-3-9 gedrückt.» «Alles», so versicherte ich der jungen Frau, «alles habe ich mehrfach gemacht.»
«Mmmh, wissen sie was, machen sie doch alles nochmals, das Reset, die Zahlen drücken, Batterien nochmals rausnehmen und wieder reinlegen».
Gut, ich ging die ganzen Abläufe nochmals durch, rapportierte meine Handgriffe und liess mich von der jungen Frau am Telefon bestätigen.
«Ah» rufe ich, «sie haben bei sich etwas gemacht, jetzt geht alles wieder». «Nein,» sagte sie lachend, «ich habe ihnen einfach zugehört und sie bestätigt.»
Ich war etwas sprachlos, geht es gemeinsam einfach besser? Oder machte ich, weil ich ja aufgeregt war, alles falsch? Fragen über Fragen, Hauptsache ist es funktioniert alles wieder.
Noch eine Bemerkung: Dieses Phänomen ist mir nicht das erste Mal passiert, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, fröhlichen Monat Mai.
Monat April 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Die letzten Tage oder sogar Wochen haben es uns einfach gemacht, auch bei vieler Arbeit, in die Natur zu gehen. Der Duft der blühenden Pflanzen, das Gezwitscher der Vögel und die Wärme der Sonne haben viele von uns nach draussen gezogen. Wir konnten und können unsere trüben und angstvollen Gedanke ins weite All fliegen lassen wo sie sicher irgendwie entsorgt werden. Nach so einem Spaziergang, auch einem kurzen, komme ich jeweils zufrieden und vor allem fröhlich heim.
Vor ein paar Tagen hatte ich einen besonders fröhlichen und eindrücklichen Lauf. Es war kurz nach vier Uhr am Nachmittag als ich am Mittelstufenschulhaus in meiner Nähe vorbei ging. Es war Schulschluss, viele Schülerinnen und Schüler schlenderten oder rannten an mir vorbei.
Ein Mädchen und ein Junge, beides etwa Fünftklass -Tennies standen zusammen vor dem Schulhaus auf dem Trottoir. Ich verlangsamte meine Schritte, es interessierte mich was die beiden miteinander zu reden hatten. «Also das Projekt müssen wir übermorgen abgeben», sagte das Mädchen. »Hast du die Doku gemacht?» «Ja, klar» sagte der Junge, »du müsstest mir noch die Bilder der Würmer schicken». «Werde ich machen». bestätigte das Mädchen. «Also tschüss bis Morgen Mittag», verabschiedete sich der Junge. «Ach, nein» bemerkte das Mädchen «du weisst doch, morgen um 10 Uhr müssen wir das Projekt, wie es jetzt ist, dem Klassenlehrer vorstellen». «Ach klar, ich habe es vergessen». Der Junge springt davon, das Mädchen in die andern Richtung.
Ah, denke ich, ein tolles Team, Projekte und Gruppenarbeiten sind heute gefragt, und spaziere weiter.
Da drehte sich der Junge um und rief über die ganze Strasse weg, «Sandrine, ich liebe dich»! Das Mädchen, also die Sandrine, drehte sich um, lachte übers ganze Gesicht und sang schon fast mit roten Wangen zurück, «ich liebe dich auch».
Mit einem berührten Herzen machte ich mich auf den Heimweg, so junge liebevolle und lebensbejahende Teens sind Balsam auf unsere zeitweise so belasteten Gemütern.
Liebe Leserinnen und Leser lassen wir uns über Strassen und Wege hinweg «ich liebe dich» rufen. Sicher gibt es Menschen in ihrem Leben die sich darüber genauso freuen wie «unsere» Sandrine.
Monat März 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Wie jedes Jahr um diese Zeit machen die Schüler und Schülerinnen einen sogenannten Versöhnungsweg. In der Kirche werden verschiedene Posten mit Aufgaben zu einem Thema aufgestellt. Die Schüler und Schülerinnen werden sich in der Stunde Gedanken über sich und die Welt machen.
Als wir für dieses Jahr, vor einiger Zeit, das Thema «Brücken bauen» wählten, konnten wir nicht ahnen wie aktuell und brisant das Thema sein wird.
Die Kinder und Jugendlichen werden über verschiedene Brückenarten nachdenken und sich mit ihren Begleitungen austauschen. Die Brücken aus Worten, Berührungen, Gedanken und dann auch die Stein- und Beton- Brücken können die Kinder mit abwechslungsreichen Aufgaben erkunden und ausprobieren. So bauen sie mit eigens für sie gemachte Backsteine eine kleine Brücke. Alle Altersstufen können bei diesen Aufgaben gut mitmachen. Der Schlussposten ist ein Tor aus einem farbigen Holz-Regenbogen. Die Brücke des Friedens wird sie in den Alltag begleiten.
Auf meiner Wanderung in den letzten Tagen hatte ich eine besondere Art von Brückenbauen erlebt.
Ich ging meines Weges, als ich feststellen musste, dass ich in eine grössere Baustelle gerate, ohne eine Umleitung zu erkennen. Umkehren? Etwas ratlos stand ich da. Da sah ich zwei Männer in der Baustelle, einer auf dem Bagger, der andere im Graben, von ihrer Arbeit weg eilen. Sie schleppten eine Metallbrücke den Berg hinauf und winkten mir freundlich zu. Sie platzierten die Brücken an der schmalsten Stelle des Grabens und siehe da, ich konnten sicheren Fusses den ziemlich tiefen Graben überqueren. «Wie eine Königin» rief mir einer der Männer zu, lachte übers ganze Gesicht und rannte zurück an seine Arbeit. Ich lachte auch und machte mich auf den Heimweg.
Ich wünsche uns allen, in dieser Zeit, viele Brücken die mit einiger Anstrengung zu bauen sind und die uns zum Lachen und Sinnieren bringen.
Liebe Leserinnen und Leser
Vor ein paar Tagen konnte ich ausnahmsweise eine Oberstufenklasse unterrichten. Das ganze Schulhaus hatte einen Thementag mit dem Titel «Behinderungen».
Die Jugendlichen beschäftigten sich intensiv mit verschiedenen Behinderungen.
Ich hatte mit der Klasse das Thema «eingeschränkte Arme und Beine». Die Klassenlehrerin und ich boten verschiedene Übungen an, damit sich die Teens in diese Tatsache hineinfühlen konnten.
Ein Mädchen wollte versuchsweise mit einem Rollstuhl auf die Toilette gehen. Das ganze Schulhaus ist zwar barrierefrei, das WC aber, das ist viel zu klein. Auf der oberen Etage befindet sich ein angeschriebenes Behinderten-WC, auch das ist zu klein.
Der Versuch mit grossen, mit Verbandsbinden angebrachte Holzlatten an Ellbogen und Knien einen Overall ohne Hilfe anzuziehen, war sehr eindrücklich! Ein Schüler, Oskar, legte sich auf den Boden um sich so ankleiden zu können. Der nächste Schritt, um Hilfe zu bitten, fiel ihm schwer. Dennis hat ihm dann geholfen. Die Freude als dieser Versuch gelang, war ganz echt.
Als Oskar die Holzlatten an Armen und Beinen wieder wegnehmen konnten schnaufte er laut aus und sagte wie froh er sei, sich wieder frei bewegen zu können.
Die Unmöglichkeit ohne Arme und Hände, nur mit den Füssen einen Turm mit Holzklötzen aufzubauen gab viel zu Reden und viele Emotionen.
Zwei Mädchen erzählten von ihren eigenen Einschränkungen, Sophia hat so brüchige Knochen, dass sie immer wieder einen Gips an irgendeinem ihrer Gelenke haben muss. Sie müsse halt damit leben sagte sie mir. Lenas Schienbein wächst fortlaufend über die Kniescheibe, sie war und ist deswegen immer wieder im Spital.
Zum Schluss betrachtete die Klasse den Videobericht einer Frau die durch einen Unfall Rollstuhlfahrerin wurde. Der zeigte uns eindrücklich wie die junge Mutter ihren neuen Alltag bewältigt.
Die Jugendlichen machten sehr ernsthaft und gut mit, gelacht wurde natürlich auch, vor allem beim Anziehen des Overalls. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese jungen Menschen sich offen und kreativ den eingeschränkten Menschen begegnen.
An diesem Tag konnten sie einige nachhaltige Erfahrungen machen, das sagten die Schülerinnen und Schüler in der abschliessenden Feedbackrunde.
Monat Januar 2022
Liebe Leserinnen und Leser
Haben sie schon ihren persönlichen Jahresrückblick gemacht? Zwischen den Jahren bis anfangs Januar ist die Zeit der Rückblicke aller Art. Ich hoffe sehr, dass in ihrem Rückblick auch schöne, erfüllte und fröhliche Tage sind. Im grossen Ganzen war das vergangene Jahr wieder von der Pandemie geprägt.
Auch in der Schule mache ich jeweils einen Rückblick, einen Semesterrückblick. Die Schule war und ist besonders betroffen von der Pandemie, der Grundgedanke die Schulen nicht mehr zu schliessen hat grosse Konsequenzen: Maskentragen, sofortige Quarantäne und Isolationen schon bei leichten Symptomen. Ganze Klassen mussten zu Hause bleiben und damit waren Familien damit beschäftigt ihre Jugendlichen und Kinder zu betreuen. Es war eine Herkulesarbeit.
Auf diesem Hintergrund fragte ich die Schülerinnen und Schüler was ihnen im Unterricht gefallen hat und was sie für schwierig empfunden haben.
Lea, eine 6. Klässlerin sagte sie hätte in diesem Semester ihren Kopf öffnen können, ihr hätte der Unterricht gut gefallen. Ich fragte nach, was es dann heisse, dass sie den Kopf hätte öffnen können. Ja, so sagte Lea, sie hätte gemerkt, dass ich sie mögen würde, darum sei es ihr leichter gefallen zu lernen. Allgemein haben die Jugendlichen, so sagten sie, sehr unter dieser Pandemie gelitten und alle hoffen dass es ein neues, besseres Jahr geben würde.
Leas Aussage ist bezeichnend für diese Zeit, das Wichtigste ist, dass wir trotz der schwierigen Zeit in Beziehung bleiben oder Beziehungen aufbauen können. Wir spüren so, dass wir in dieser Krise nicht allein sind und dass wir einander auch etwas lehren können. Vor allem die Jugendlichen brauchen unseren Support aller Art, sie leiden am meisten unter diesen herausfordernden Zeiten.
Machen wir uns also auf, schauen wir gut zueinander und schaffen mit Humor und Freude einen schönen Einstieg ins 2022.
Ich wünsche Ihnen ein interessantes, beziehungsreiches und optimistisches neues Jahr.