Monat Februar 2024
Gedanken Archiv

Monat Dezember 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Können Sie sich an das Osterlachen erinnern? Der Priester erzählte an Ostern etwas Lustiges von der Kanzel herunter, sodass die ganze Kirche lachen musste. Als dann die Witze zu derb wurden verschwand das Osterlachen. Es wurde verboten.
Vielleicht könnten wir ein Weihnachtslachen einführen? In diesen höchst turbulenten Zeiten wäre das möglicherweise ein Werkzeug um uns das Weihnachtsereignis noch klarer zu machen. Nun wie wollen wir das machen? Witze erzählen? Siehe oben, das wird zu derb. Oder Lachyoga machen?
Ich erlebte vor ein paar Tagen so eine Lachsituation. Ich stand an der Kasse des Zoos Zürich und wartete bis die Kasse öffnete.
Ein Vater mit seinem kleinen Sohn wartete auch auf das Öffnen. Er stand mit dem Kleinen auf dem Arm beim digitalen Eingang und legte sein Abonnement auf den Scan. Das dauerte einen kurzen Augenblick und der Eingang leuchtet rot auf. Der Zoo ist noch geschlossen. Der Kleine lacht laut auf, und deutete dem Vater mit seinen kleine Händen, dass er das Kärtchen wieder wegzunehmen soll und nachmals hinlegen soll. Die umstehenden Leute schauten dem Ganzen (noch) unbeteiligt zu.
«Namal» höre ich den Kleinen sagen. Wieder legte der Vater das Abonnement auf den Scan, wieder leuchtete es rot auf. Das helle, unverfälschte Lachen des Kindes klang rein und klar durch die Eingangshalle. Schon sieht man die Erwachsenen schmunzeln, es wird lauter, die Kinder lachen mit. So ging das eine ganze Weile: immer wieder Stille und dann das fröhliche Lachen. Mittlerweile haben alle rund um den Eingang ein Schmunzeln auf den Lippen. So ein Kinderlachen steckt an, macht die Menschen beschwingt und bereit für den neuen Tag.
Wäre das etwas? Mit kleinen Kindern irgendeine lustige Alltagbeschäftigung zelebrieren? Und das dann weitertragen und so die Menschen für einen kurzen Moment zum Lachen bringen. Weihnachten würde sich für so eine Tradition besonders eignen. Was meinen Sie?
Weihnachten bedeutet einen Neustart in eine Neue Welt, lassen wir uns davon begeistern und erfreuen.
Frohe Weihnachten mit viel Schmunzeln und Lachen.
Monat November 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Sind Sie Autofahrerin oder Autofahrer? Dann kennen Sie sicher die Politessen und die Männer die ihre Parkscheibe bzw. ihre Parkuhr kontrollieren.
Es sind nicht gerade die beliebtesten Menschen, sie werden oft mit Häme überschüttet und sogar körperlich angegriffen. Das erzählte mir schon vor Jahren eine Politesse. Sie berichtete mir, wie sie von einem älteren Mann angespuckt worden sei, weil sie ihm eine Busse geben musste. Seine Parkzeit sei längst abgelaufen gewesen.
Solche Situationen gibt es heute sicher auch, der Respekt und der Anstand hat sich eher verschlechtert. Ich weiss, dass viele Berufe, z.B. Polizisten, Sanitäterinnen und eben Politessen in Seminaren lernen müssen, gewaltvolle Situationen entschärfen zu können.
Letzten Freitag fuhr ich mit dem Auto in die Stadt und war wie üblich für mich, zu früh vor Ort. Ich stellte mein Auto in der Blauen Zone ab und las im Auto meine Nachrichten auf dem Handy.
Ich schreckte auf, als jemand an mein Fenster klopfte. Eine Politesse forderte mich auf, die Autoscheiben runter zu lassen. Sofort stieg mein Puls ins Unendliche, stimmt, ich fand es nicht nötig für diese paar Minuten die Parkkarte sichtbar an die Frontscheibe zu legen. Ich öffnete die Scheibe, ein freundliches, offenes Gesicht liess sich blicken. Die Politesse wies mich höflich und fröhlich darauf hin, dass ich nicht vergessen soll die Karte hinzulegen, falls ich aussteigen sollte.
Wir wechselten noch ein paar nette Worte, mein Puls ging wieder runter und ich kann meine heimlichen Vorurteile bei dieser Frau getrost ablegen.
Vor den Ferien habe ich in der 5. Klasse das Thema «Vorurteile» behandelt. Das wäre meinerseits ein gutes Beispiel: zuerst den Menschen echt begegnen und sich dann eine Meinung bilden. Und ich sagte dann den Jugendlichen, man sollte nie von einer schlechten Erfahrung mit gewissen Menschen auf alle schliessen.
Das ist echte Friedensarbeit im Kleinen und die brauchen wir in der derzeitigen Weltlage dringend. Machen wir uns gemeinsam dran, es wird sich lohnen!
Ich wünsche Ihnen einen friedvollen und erlebnisreichen November.
Monat Oktober 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Wissen Sie was zu tun wäre, wenn sie draussen auf dem Boden liegend, eine bewusstlose Frau anträfen? Oder wissen Sie, wie Sie die Wärmedecke, die Sie im Auto haben, anwenden? Würden Sie die auch, unter oder eher über die daliegende Person legen?
Ich war, pflichtgemäss, mit dem Team wieder einmal an einem Erste Hilfe Kurs und musste feststellen, dass sich in der Erste-Hilfe-Arbeit im Laufe der Zeit viel verändert hat.
In all den Jahre in denen ich Vollzeit unterrichtet habe, sind es zwei kleinere Notfälle die ich zu bewältigen hatte. Ich habe dann die betreffenden Schüler nach meinem Gutdünken behandelt und die jeweilige Gesundheitsbeauftragte geholt. Das ist in beiden Fällen gut gegangen, zum Glück. Was heute alles passieren kann, mit den Kickboards und anderen Fahrgestellen! Da ist es gut wieder einmal auf den neusten Stand gebracht zu werden.
Der Kursleiter ist seit vielen Jahren Rettungssanitäter, dadurch weiss er einiges zu erzählen. Das waren meistens übelste Situationen von denen wir alle normalerweise nichts zu wissen bekommen. Es war interessant, und auch gut zu wissen, das der Rettungssanitäter uns nur die gut ausgegangenen Fälle erzählt hat.
Also machten wir uns alle ans Werk um uns zu retten: eine bewusstlos-spielende Kollegin ist fachgerecht in die Position zu bringen und die Wärmedecke nützend um zu legen. Es wurde auch etwas lustig, vieles was wir taten war wenig oder nicht hilfreich. Jetzt weiss ich, dass die Wärmedecke direkt auf die Haut kommt, erst dann hilft sie der in Not gekommenen Person. Man schiebt die Decke unter dem T-Shirt durch und deckt vor allem auch den Kopf, denn der lässt am meisten Energie wegfliessen.
Nicht nur das Wissen und die lehrreichen Unterlagen bereicherten den Abend, sondern es gibt mir ein besseres Gefühl, zu wissen, wo die Defibrillatoren in der Nähe sind und wie man die zu bedienen hat.
Nehmen Sie doch wieder einmal ihre Unterlagen aus dem Gestell oder gehen Sie in einen Auffrischungskurs. Auch wenn wir in unserem Leben nur ein einziges Mal an einen Unfall oder eine Notsituation herankommen: wir sind gewappnet und retten vielleicht sogar ein Leben!
Ich wünsche Ihnen einen schönen, unfallfreien und lehrreichen Monat.
Monat September 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Haben Sie es auch gemerkt und gespürt? Astrologisch gesehen waren es die intensivsten Wochen dieses Jahres. Dies hat unter anderem mit dem rückläufigen Merkur, der Lilith am absteigenden Mondknoten, und dem Mars zusammen mit dem Jupiter zu tun gehabt. Es werden alte Bilder im Geschlechterkampf und von ideologischen Ansichten beleuchtet, die dann Unheil und Kriegswirren befeuern. Täglich hören wir solche Schreckensgeschehnisse, Zeitungen und TV sind voll davon.
Langsam beruhigen sich die Zeiten, wenn das überhaupt so gesagt werden kann, Ende August wird der Merkur wieder direktläufig.
Wir könnten verzweifeln, wir alle wollen doch das Gute und den Frieden, wie soll uns das gelingen? Unsere Gesellschaft sei individueller, sprich egoistischer geworden, heisst es, wir seien einander nicht so wichtig, es gehe um uns selber, uns soll es gut gehen.
Dem will ich etwas entgegenhalten. Letzte Woche sprach ich meinen älteren Nachbarn auf seine grosse Verletzung am Bein an. Er sei in der Stadt Zürich über den Trottoirrand gestolpert und er sei liegen geblieben. Da hätten ihn so viele Hände hochgezogen, er wüsste gar nicht mehr wie viele es gewesen seien. Ein junger Mann hätte ihn dann sogar in die Permanence begleitet um die Wunde zu versorgen. Der Nachbar war und ist ganz begeistert von den netten Menschen die ihm geholfen hatten.
Vor ein paar Tagen stand an der Migros Kasse ein Mädchen, das eine Kleinigkeit für 4.50 Fr. mit einem 5.- Gutschein zahlen wollte. Das gehe nicht, so der Kassierer, sie soll noch ein Kaugummi oder sonst was kaufen. Das Mädchen stand stumm vor der Kasse, und wusste nicht was tun. Ich hätte es gewusst, hatte aber kein Geld im Portemonnaie gehabt. Da kam eine ältere Frau von hinten, die Schlange an der Kasse wurde bereits länger, und kaufte dem Mädchen den Gutschein ab, sodass es seinen gewünschten Artikel kaufen konnte. Alle Beteiligten waren zufrieden und konnten wieder ihren Alltäglichkeiten nachgehen.
Kleinigkeiten! werden sie sagen. Stimmt, aber genau solche Kleinigkeiten, das meine ich, machen unsere Gesellschaft besser und angenehmer.
Also bauen wir an einer menschlichen und fröhlichen Gesellschaft, es ist immer wieder möglich, hilfsbereit und freundlich zu sein.
Ich wünsche Ihnen viele inspirierende Begegnungen im September.
Monat August 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Vor den grossen Ferien reden die Schulkinder in den Pausen über fast nichts anderes als über die Ferienpläne ihrer Eltern. Die Schülerinnen und Schüler tauschen sich über die bevorstehenden Reisen aus und ob sie gern oder weniger gern fahren würden.
Da steht das Wandern in den Bergen punkto Beliebtheit nicht gerade an oberster Stelle. Ein Fünftklässler erklärte mir, dass er nicht einsehen würde, warum er auf einen Berg hinauf und wieder hinunter wandern müsse. Ich versuchte ihm die Schönheit der Berge und des Wanderns nahezubringen.
Wahrscheinlich, so vermute ich, kennen einige Eltern diese Argumente ihrer Kinder und versuchen sie mit Tricks zum Wandern bringen.
Ich mache fast jeden Morgen einen Lauf, hinauf ins Mühlihölzli und weiter auf den Waldwegen Richtung Oetwil. Das ist wunderschön und tut mir gut. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass ich diesen Lauf nicht immer mit der gleichen Motivation in Angriff nehme.
Jetzt habe ich einen Trick für mich gefunden. Ich habe eine App hinuntergeladen, die mir zeigt welche Vögel am Pfeifen oder Singen sind. Ich habe mit mir einen Wettbewerb gestaltet, zu welcher Zeit und bei welchem Wetter ich die meisten Vogelstimme auf der App habe. Mein jetziger Rekord ist, dass sechs Vögel gleichzeitig singen und zehn Vögel an dieser Stelle anwesend sind.
Mit einem gelben Balken zeigt mir die App den Vogel der momentan pfeift an, und oben habe ich einen Tonbalken, der mir die Höhe und die Kadenz der Melodie aufzeigt. Des Laubes wegen sehe ich die Vögel jetzt nicht. Im Herbst, ohne Laub, wird es dann nochmals interessanter, dann werde ich auch den Feldstecher mitnehmen.
Mit der Zeit erkenne ich die Vögel auch ohne die App. Und bemerke auch, dass immer etwa die gleichen Vögel am gleichen Ort zu hören sind.
Ich könnte mir vorstellen, dass so eine App auch für Kinder und Jugendliche interessant sein könnte, dass eine Wanderung mit einem Wettbewerb attraktiv werden könnte. In den Bergen, oder überhaupt in anderen Landesteilen gibt es auch unbekanntere Vögel und das macht dann die Wanderung besonders spannend.
Und ja, das stimmt, dann müssten die Handys mit auf die Wanderung, das würden Sie, liebe Eltern, abwägen müssen: Aber in den Ferien herrschen bei Ihnen sicher auch andere Regeln als im Alltag!
Ich wünsche Ihnen einen sonnigen, spannenden Sommermonat.
Monat Juli 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Wissen Sie was «Sepia» ist? Klar, werden Sie sagen, das ist ein Farbstoff der auch in der Fotographie angewendet wird, ein Tintenfisch oder ein homöopathisches Mittel. Aber wussten Sie, dass es auch ein Jugendbuch ist? Es ist eine Fantasy-Geschichte, die sich gut als Ferienlektüre auch für Erwachsene eignet. Das Buch heisst «Sepia und das Erwachen der Tintenmagie» von Theresa Bell.
Es geht um ein Mädchen, Sepia, dass vor grauer Zeit, in die Welt des Buchdrucks, der Bleibuchstaben und zu guter Letzt in die Welt der Alchemie einsteigt.
Das Waisenkind Sepia bekommt einen mysteriösen Brief eines gewissen Herr Atromento genannt Silbersilbe, der sie in seine Druckerei-Werkstatt lockt und sie in die Wissenschaft der Tinten und Bücher einweihen will.
Es werden verschiedene Tinten beschrieben, Tinten für Liebesbriefe, Tinten für traurige Nachrichten, verlorene Buchstaben und allerlei Missgeschicke die in einer Druckerei mit Bleibuchstaben passieren können. Sepia muss das alles lernen, wie die anderen Lehrlinge auch und findet so eine Heimat in der Druckerei in Flohall. Sie entdeckt im Laufe der Zeit bei sich selber befremdliche Talente, sie sieht die bedrohlichen Aschegeister und die kleinen nützlichen Bleiläuse. Das erschreckt sie, hat sie doch von den anderen Lehrlingen nichts von dergleichen Gestalten gehört. Es gibt also Geheimnisse in der Werkstatt, die Geschichte nimmt Fahrt auf.
Fantasievoll, spannend und inspirierend zu lesen, liess mich das Buch nicht mehr los. In Anlehnung verschiedener, auch in der Realität vorgekommenen Bücherverbrennungen oder Zensuren, kämpft Sepia zusammen mit den anderen Lehrlingen für die Gerechtigkeit der Buchstaben und gegen das Böse. Dabei können sie mit ihrer Geheimtinte Türen an die Wände malen und diese gemalten Türen dann öffnen, können sich für eine gewisse Zeit unsichtbar machen und finden Wege in den Untergrundkanälen die sie am Schluss zu ihrem gefangenen Meister und den beiden Mitforschenden bringt.
Die Alchemie, die mysteriöse Wissenschaft, die Blei in Gold verwandeln will und der Entstehung des Lebens auf den Grund geht, passt doch auch gut in unsere Zeit. Dieses beschriebene Bestreben der Alchemie hat mich dazu bewogen wieder einmal über diese Wissenschaft zu lesen. Das Buch hat mich also auch weiterführende Texte suchen und lesen lassen. Das ist ein weiterer interessante Aspekt dieser Geschichte.
Am Ende des Buches finden wir noch Rezepte für die Zimtmilch. Laut Herr Atromento Silbersilbe vertreibt diese besondere Milch jede Wolke und jede Müdigkeit. Und so ein feines Getränk brauchen wir doch alle hin und wieder.
Ich wünsche Ihnen einen schönen, fantasievollen Sommermonat.
Monat Juni 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Sind Sie den Genderdiskussionen in all den Medien auch etwas überdrüssig? Trotzdem sind wir jeden Tag in irgendeiner Weise mit diesem Thema konfrontiert, manchmal leichtfüssig, manchmal tiefgründig und wie das Beispiel unten zeigt, fröhlich und lustig.
Vor ein paar Tagen, als sich die Sonne doch noch zeigte, machte ich einen kleinen Spaziergang ins Dorf. Auch dieses Mal hielt ich die Augen und Ohren offen, tolle und interessante Begegnungen gibt es immer wieder.
Ein Vater schob einen grossen Veloanhänger vor sich her. Beim genaueren Hinschauen sah ich, dass kein Kind im Anhänger sitzt und tatsächlich, einige Meter vor dem Vater geht ein kleiner Knabe mit einem Puppenbuggy. Gut, so denke ich, er muss ja üben einen Buggy zu stossen, das ist gleichberechtigtes Erziehen: aussergewöhnlich ist das in der heutigen Zeit schon lange nicht mehr.
Als ich dann etwa auf der Höhe des Kleinen war, schaute ich in den Buggy und was lag im Buggy? Ein fachgerecht hingestellter Bagger: goldgelb, gross und genau in den Sitz passend. Ich lachte laut vor mich hin. Das ist ja wohl das Genderthema umgangen. Bei diesem Knaben hat weder eine Barbie noch sonst eine Puppe Platz. Aber ein Bagger, man weiss ja nie ob es etwas umzugraben gibt. Es hat mich amüsiert wie selbstverständlich der Knabe den Bagger spazieren führte. Etwas später nach dieser lustigen Begegnungen machte ich mir auch ernsthafte Gedanken zu diesem Thema.
Wir können alles machen, in den Schulen, die Eltern und die ganze Gesellschaft, um typisches Rollenverhalten ändern zu wollen. Trotzdem wird es Jahrzehnte dauern bis sich die geschlechtsspezifischen Gewohnheiten sichtbar gewandelt haben. Immerhin schieben heute die Väter selbstverständlich einen Kinderwagen der Strasse entlang. Da gibt es nicht einmal mehr irritierte Blicke.
Wenn wir weiterhin interessiert und neugierig beobachten wie sich unsere Gesellschaft verändert, wird uns dieses wichtige Thema sicher nicht überdrüssig. Der Alltag wird uns immer wieder Situationen vor Augen führen, die uns zum Nachdenken oder Schmunzeln bringen werden.
Ich wünsche Ihnen einen beglückenden, spannenden Juni
Monat Mai 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Dieses Jahr feierten wir früh Ostern, sodass die Osterzeit schon in diesem Monat mit Auffahrt und Pfingsten abgeschlossen wird. Pfingsten ist ein Fest, das für viele Menschen etwas Unverständliches und Fremdes ist.
Wissen Sie wie «Geist» aussieht? Der «Heilige Geist»? Das frage ich jeweils die SchülerInnen zum Thema Pfingsten. Es waren auch dieses Mal fragende Blicke in der Klasse. Die Antworten wie: «eine Wolke»? «Geister»? «Etwas Weisses»? «Luft»? halten dann den Diskussionen nicht stand. «Es ist glaube ich etwas im Herzen» meinte Serap. Aber grundsätzlich stand ein grosses Fragezeichen im Raum.
Das geht nicht nur Kindern so, auch viele Erwachsenen können mit «Geist» nichts anfangen. Wir tun uns schwer mit dem Unsichtbaren, sinngemäss «was ich nicht sehe, gibt’s nicht» ist in vielen Köpfen präsent. Um uns das Unsichtbare besser vorstellen zu können, hat uns die Bibel und auch andere Bücher Symbole geliefert. In der Bibel wird uns Pfingsten mit Feuer, das vom Himmel stürzt, mit Wind der einem Sturm gleich durchs Haus braust, und mit den verschiedenen Sprachen die dann alle verstehen, erklärt. So können wir uns das Begeisterungserlebnis besser vorstellen. Die Menschen die damals dabei waren, wurden aufgefordert die Ostergeschichte in die ganze Welt hinaus zu tragen. Sie waren begeistert und voller Elan.
Ich fragte dann die Kinder, was sie begeistern würde. Michel meinte: «Wenn ich an einen Match darf und alle singen das Fan Lied dann bin ich sehr glücklich. Sollte dann meiner Mannschaft sogar ein Goal gelingen, bin ich begeistert». Eduard geht mit seinem Vater Freeridern. Er erzählte uns wie toll das sei, in der Kälte allein mit seinem Vater auf den Skiern, durch den Neuschnee den Berg runter zu brettern. «Da bin ich froh und begeistert, dass mein Vater mir erlaubt mit ihm so fahren zu dürfen». Kleinlaut fügte er an, dass er letztes Jahr bei einem dieser Husarenritte beide Arme gebrochen hätte. Aber das sei ihm egal. Er mache weiter und wolle sobald er alt genug sei, an einem Rennen teilnehmen.
Wir haben noch weitere Beispiele gehört und ich dachte, ein kleines Bisschen dieses grossen Ereignisses damals, könnten wir jetzt erahnen.
Die Begeisterung von Pfingsten brauchen wir auch heute, wir setzen uns dort ein, wo wir Talente und Fähigkeiten haben, um die Welt ein Stück besser zu machen. Wir werden so die Bedeutung dieses Festes erfassen lernen, und:
wir können uns dabei auch die Arme brechen, aber wir machen einfach weiter und setzen uns für unsere Leidenschaft, unsere Ziele und auch für Menschen die uns brauchen, ein.
Ich wünsche Ihnen einen begeisterten, kraftvollen Mai Monat April 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Wissen Sie, dass die Wochen rund um Ostern geprägt sind von den grossen Themen des Lebens? Hingabe, Verrat, Verleumdung, Schmerz und Leid, Freude und Glauben sind die augenfälligsten Gefühle des Menschen von damals und heute.
In der Mittelstufe habe ich das Thema des Verrats mit den Kindern bearbeitet. Es ist ein äusserst schwieriges Thema und für die Schüler und Schülerinnen oft auch peinlich. Trotzdem reden sie offen darüber, wie sich es anfühlt verraten zu werden oder jemanden zu verraten. Die kleinen alltäglichen Verrätereien in unserem Leben haben sicher nicht so fatale Auswirkungen wie der grosse Verrat des Judas’. Bei sich selber aber zu merken, wieviel Eigennutz hinter einem Verrat liegen kann, macht die Kinder echt betroffen.
Wenn wir dann gemeinsam ein Rollenspiel üben und die von mir vorgegebene Szene spielen wollen, bleibt die Rolle des Verräters /der Verräterin bis zum Schluss liegen. Meistens übernimmt dann ein theatergeübtes Kind den undankbaren Part.
Die Frage, ob es möglich sei nach einem Verrat wieder Freunde oder Freundinnen zu werden oder zu bleiben, wird mit einem eher halbherzigen Vorschlag bejaht.
Eine Gruppe zeigte wie die beiden Freundinnen nach dem Verrat einander gegenüberstanden und nicht so richtig wussten was sie nun tun sollen. Der zögerliche Handschlag und das Versprechen, dass so etwas nie mehr vorkommen soll, hat sich ziemlich hohl angehört. Das haben dann die beiden Schauspielerinnen auch bestätigt. Eigentlich, so meinten sie, sei ein Verrat nicht wieder gut zu machen.
Die Kinder konnten so in einer kurzen Szene erfahren was für ein schweres Vergehen auch der kleinste Verrat sein kann. Sich versöhnen ist meistens eine Willensfrage, die Freundinnen wollen sich ja nicht verlieren. Sicher wird eine Zeitlang ein Schatten über der Freundschaft liegen bis sich das Vertrauen wieder verfestigt hat.
Nach diesen schweren Tagen des Verrates und des Todes kommt dann die fröhliche Osterzeit, das grosse Frühlingsfest, das uns Hoffnung, Freude und Fröhlichkeit bringen wird. Genau darum hat man das Osterlachen in den Predigten eingeführt. Das können sie in den Gedanken des Aprils 2014 nachlesen.
Ich wünsche ihnen einen bewegten, fröhlichen April
Monat März 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Wussten Sie, dass früher die Knöpfe an den Kleidern ein Statussymbol waren? Reiche Leute zeigten mit ihren Gold- und Silberknöpfen ihren Reichtum. Das gewöhnliche Volk hatte Knöpfe aus Holz oder Horn. Allerdings sind heute auch diese Knöpfe teuer. Massenware und billige Knöpfe werden aus Kunststoff gefertigt.
Teure Kleider haben wertvolle Knöpfe, sie geben dem Kleid die nötige Ausstrahlung. Wenn ich nicht ganz sicher bin, ob das Kleid aus dem Secondhandladen ein Schnäppchen ist, schaue ich mir die Knöpfe an.
Bei mir zu Hause habe ich ein grosses Glas, gefüllt mit Knöpfen. Kleider die nicht mehr zu tragen sind, werden von den Knöpfen befreit und diese in dieses Glas getan. Immer wieder finde ich dort Knöpfe für neu gestrickte Sachen, die so eine neue Aufgabe bekommen.
Am Wochenende hat es dieses Glas meiner Enkeltochter angetan. Sie leerte es auf den Boden aus und gemeinsam schauten wir uns die Kostbarkeiten an.
Jeder Knopf trägt eine Geschichte mit sich, manchmal konnte ich sogar noch sagen, welcher Knopf welches Kleid geziert hat. Unverhofft und unabsichtlich fanden wir in diesem Knopfgewühl einen besonders schönen Knopf mit dem Buchstaben «M». Diesen Knopf, so meinte meine Enkelin, wollen wir doch Madeleine schenken. Am Nachmittag nämlich, waren wir mit ihr zum ″kreativen Nachmittag″ verabredet. Was für eine Freude hatte Madeleine! Sie meinte, dass sie diesen Knopf an ihre langweilig-fade Jacke nähen wolle. Der Knopf bekommt damit eine wertvermehrende Aufgabe, toll.
Gemeinsam mit meiner Enkelin recherchierten wir weiter zur Geschichte der Knöpfe. Schallend lachen mussten wir, als wir lasen, dass König Franz I aus Frankreich bei der Anprobe seines Kleides, das mit 13’600 Goldknöpfen verziert war, umfiel, weil das Kleid zu schwer war. Der Sonnenkönig machte es besser, seinem Kleid wurden 104 Diamantknöpfen angenäht. Die waren dann für diesen prunkliebenden König nicht zu schwer und nicht minder kostbar!
Als der König Friedrich der Grosse im 18. Jahrhundert seine Truppen inspizierte, verlangte er, dass an alle Jackettärmel Knöpfe angenäht werden sollen um den Soldaten die Gewohnheit des Nasenputzens mit dem Ärmel zu erschweren. Noch heute werden den Herrensakkos drei bis vier Knöpfen auf die Ärmel genäht.
Die Geschichte des Knopfes hat uns gut unterhalten und unser Wissen erweitert. Wir räumten all die Knöpfe ins Glas zurück mit der Gewissheit diese unterhaltsame Aktion wieder zu machen. Es gibt noch genug spannende Informationen zu den Knöpfen!
Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen März.
Liebe Leserinnen und Leser
Wussten Sie, dass die Volkshochschule Zürich sehr interessante und lehrreiche Vorlesungen anbietet? Ich war Ende des letzten Jahres und jetzt im Januar in verschiedenen Vorlesungen. Ich wurde jeweils im grossen, ehrwürdigen Unigebäude von einer jungen Studentin herzlich begrüsst und in den betreffenden Hörsaal gewiesen.
Die letzten Vorlesungen hatten den Titel «Schönes Gift, von tödlichen Pflanzen und ganz natürlichen Morden». Der Professor referierte über die Pflanzengifte, wie sie im Körper wirken und wie lebensbedrohend sie sein können. Interessant ist, dass die Pflanzen mit besonders schönen Namen und schönem Aussehen, zum Beispiel der Goldregen, hochgiftig sind. Oder das Maiglöckchen, eine romantisch-schöne Pflanze, die in einem Garten in dem Kinder spielen, nicht gepflanzt werden soll. Die leuchtendroten, runden Beeren die nach dem Verblühen der Pflanze entstehen, sind schon ab drei Stück für kleine Kinder tödlich.
Ich liess mich über allerlei Gifte belehren, es war eine Flut von anregenden Infos die mich immer noch beglücken. Ich war mit meiner Wahl, am Abend nochmals aus dem Haus zu gehen zufrieden.
Ein auffälliger Nebenschauplatz liess das Publikum schmunzeln. Während dem, dass in den Vorlesungen «Die Geburt der Milchstrasse» ca. vierzig Männer und fünf Frauen sassen, waren in der besagten Vorlesung fünfzig Frauen und etwa sechs Männer! Sogar der Professor lachte wegen dieses Verhältnisses seines Vortrages, sind doch die Giftmorde in vielen Krimis Frauensache! Selbstverständlich hat diese Beobachtung nichts mit den Giftmorden zu tun, sondern mit der Tatsache, dass meistens die Frauen die Gärten pflegen und die Pflanzen auswählen.
Übrigens ist das Töten mit Gift nicht so einfach wie das jeweils in den Krimis gezeigt wird. Es braucht eine ganz bestimmte Dosis, damit die Kriminalisten die Gifte nicht aufspüren können und der gewünschte Tod trotzdem eintritt. Das war eine der belustigenden Nebenbemerkungen des Referenten und hatten für uns alle keine Relevanz, sondern lockerten den dichten Vortrag etwas auf!
Mir wurde während diesen Abenden bewusst, dass die Natur die giftigsten und schrecklichsten Gifte hervorbringt. Die Pflanzen produzieren die Gifte um ihre Samen und Wurzeln vor Feinden zu schützen und so ihr Weiterbestehen zu sichern! Wir können diese Gifte teilweise in geringster Dosierung als Heilmittel gebrauchen, selbstverständlich nur mit naturärztlicher Betreuung.
Das war eines der vielen inspirierenden Themen die uns für wenig Geld angeboten werden. Vielleicht nehmen sie auch einmal eines der Angebote an. Es lohnt sich auf alle Fälle.
Monat Januar 2024
Liebe Leserinnen und Leser
Haben Sie es auch bemerkt? Unser Einkaufsverhalten hat sich sehr verändert. Seit wir wissen, dass wir jederzeit an einem Bahnhof unsere Lebensmittel auch an Sonntagen kaufen können, müssen wir uns vor den Feiertagen nicht mehr so bemühen alles im Kühlschrank zu haben. Ich wehre mich zwar dagegen, ich überlege am Samstag, was ich alles brauche und das soll dann reichen.Am diesjährigen Weihnachtstag-Morgen aber war es anders. Am Samstag vergass ich Brot zu kaufen weil ich nicht bedacht hatte, das meine Gäste vielleicht ein Stück Brot zum Salat essen wollen. Also ging ich am Weihnachtstag um 8 Uhr in unseren Bahnhofsladen. Dort begrüsste mich eine freundliche, junge Frau. Als sie sah, dass ich zum Brotgestell eile, fragte mich die ursprünglich aus Thailand kommende Frau, in gebrochenem Deutsch, ob ich einen Zopf haben wolle. Sie müsse nur schnell in den Keller gehen um mir eine Frischbackzopf zu holen.
«Wissen sie», so meinte sie, «die Mitarbeiterin die gestern gearbeitet hat, ist eben keine Schweizerin, sie weiss nicht, dass wir Schweizer am Sonntag und sowieso an den Festtagen einen Zopf zum Frühstück essen wollen. Sie hat vergessen die Zöpfe aus dem Lager zu holen, so gehe ich, wenn sie wollen ins Lager.» «Nein, vielen Dank, ich brauche keinen Zopf, ich nehme das dunkle Brot» erwiderte ich.
Ich schmunzelte innerlich und war ganz berührt. Diese Frau kennt unsere Gewohnheiten und hat sie sich zu eigen gemacht. Sie ist eine Schweizerin geworden und erklärt anderen Frauen aus anderen Ländern unsere Bräuche. Sie wird dann ihren Schweizerkolleginnen von ihren Traditionen erzählen, und vielleicht wird dann der eine oder andere Brauch auch in deren Leben integriert.
Das ist wäre dann ein wirkliches Zusammenleben mit verschiedenen Menschen aus anderen Kulturen. Diese herzliche Begegnung im Bahnhofsladen ist ein Beispiel dafür.
Ich wünsche Ihnen von Herzen eine wunderschöne, freudvolle Reise ins Jahr 2024. Gutes Schuhwerk, wetterfeste Kleider, kräftiger Proviant und einen unfehlbaren Kompass sollen sie vor Unheil und Verirrungen schützen.